

Angesichts der Herausforderungen einer globalen und auf neuen Technologien basierten Wissensgesellschaft gewinnen Infonomics als zukunftsorientierte Verbindung von Ökonomie und Informationswissenschaften eine immer größere Bedeutung.
Innovative Technologieunternehmen benötigen zur praktischen Umsetzung neuester Forschungsergebnisse eine Service-Plattform, die unter einem gemeinsamen Dach der Infonomics verschiedene Disziplinen der Informationswissenschaften mit einbezieht.
Basierend auf dem Prinzip der Offenheit und der Zusammenarbeit von Technologieunternehmen, akademischen Institutionen, Einrichtungen der öffentlichen Hand sowie gemeinnützigen Organisationen, wird ein zukünftiges Infonomic Center einen Knotenpunkt für Industrie, Wirtschaft und Forschung der Informationsökonomien des 21. Jahrhunderts bilden.

In den vergangenen fünfzig Jahren haben Informationstechnologien die Welt grundlegend verändert. Das rasche Anwachsen von Daten und ihrer Anwendungsmöglichkeiten beeinflusst unsere Gesellschaft. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch verstärken. Informationstechnologien haben das Internet, Wikipedia, Filesharing und stets neue Supercomputer hervorgebracht. Die Aussichten für die kommenden fünfzig Jahre sind noch eindrucksvoller, denn Informationstechnologien sind im Begriff, unser Verständnis des "menschlichen Wissens" neu zu bestimmen.
Infonomics befasst sich als Wissenschaft mit den neuen Gegebenheiten für Forschung, Lernen und Begreifen. Prinzipiell handelt es sich bei Infonomics um eine interdisziplinäre und integrative Wissenschaft, bei der einzelne Teilbereiche nicht klar voneinander abgegrenzt sind. Infonomics verwertet Einsichten von IngenieurInnen, BibliothekarInnen, PsychologInnen, Lehrenden, SoziologInnen, DemographInnen und UnternehmerInnen. Der Ehrgeiz und die Breite der infonomischen Wissenschaft verhindern eine klare oder vollständige Definition, aber das Terrain lässt sich wie folgt skizzieren:
InformatikerInnen und IngenieurInnen schaffen die Technologie für die Anhäufung großer Datenmengen, darunter persönliche und medizinische Daten, sowie auch Daten über soziale Netzwerke. Die Praxis des Data-Mining-- die Gewinnung von Korrelationen und bestimmten Merkmalen -- ist ein lebendiges Feld von wachsender Verfeinerung. FabrikantInnen und PolitikerInnen greifen auf Data-Mining von KonsumentInnen-Daten zurück, um im Wettbewerb um die Gunst ihres Publikums zu bestehen, das zunehmend aufgefächert und organisiert ist. Die TeilnehmerInnen am modernen Leben -- Individuen und Organisationen -- haben billige Kommunikations- und Dokumentationsinfrastruktur für Kollaboration und Publicity zur Verfügung.
Alle TeilnehmerInnen finden ein breites Spektrum an Möglichkeiten vor, um soziale Netzwerke um Projekte und Produkte herum zu unterhalten. Dokumentation und Offenheit fördern den Erfolg und den Ruf. Aber wie weit soll das gehen? Individuen und Organisationen müssen die richtige Balance finden zwischen intern und extern, vertraulich und öffentlich, Teilen und Tresor, Komfort und Privatsphäre -- eine heikle Angelegenheit, die noch kaum ausgelotet ist. Was schwerer wiegt: Individuen und Organisationen müssen ihre Kommunikationskanäle und Dokumente vor Täuschung und Manipulation mit technischen oder anderen Mitteln schützen.
Aus der Perspektive von WissenschafterInnen oder IngenieurInnen erkennen wir, dass Informationstechnologien alte wissenschaftliche Praktiken nicht nur beschleunigen, sondern auch immer breiteren Kreisen unserer Wissensgesellschaft erschließen: Dokumentation, Recherche, Peer-Review, Diskurs, Textbeleg, Indizes und lebenslanges Lernen. Die daraus resultierenden Datenmengen sind immens und ohne Maschinen nicht mehr zu beherrschen. Information Retrieval, Semantic Web und leistungsfähige Datenverarbeitungsanlagen versprechen eine neue und weitgehend automatisierte Form des Bibliothekswesens.
All diese Entwicklungen erfordern die Betrachtung und die Zusammenarbeit von IngenieurInnen, BibliothekarInnen, SoziologInnen und vielen anderen Disziplinen. Ohne diese Kollaboration kann unsere Gesellschaft nicht den Überblick über das menschliche Wissen behalten, und auch nicht über ihre (potentiell sensiblen) Daten.
Der Begriff "Infonomics" beinhaltet also die technischen, ökonomischen und systematischen Überschneidungen in der Darstellung, Anreicherung und Vermittlung von menschlichem Wissen und Daten.
Infonomics ist das Ergebnis der Fortschritte in der Datenverarbeitung und -übermittlung. Es ist kein Privileg mehr von ForscherInnen, JournalistInnen, oder KünstlerInnen, Inhalte zu veröffentlichen; sei es um seine Ideen und Vorstellungen zu bewerben, zur Beeinflussung des Bildes in der Öffentlichkeit, um zu manipulieren, oder um zitiert zu werden. Diese Mittel stehen allen offen und werden von Individuen und vielen Organisationen verwendet. All das hat bedeutenden Einfluss auf die moderne Industrie, die sich zu einem Wettstreit des Geistes, des Lernens, des Lehrens und des Veröffentlichens entwickelt hat. Die Fähigkeit, Wissen zu finden, zu verstehen, zu teilen und zu verwerten ist entscheidend für Karrieren und Firmen, sogar für ganze Nationen. Infonomics ist die Wissenschaft dieses Prozesses und seiner steten Verbesserung. Infonomics kann nur ein Ziel haben: die Teilnahme eines jeden Menschen als "Infonomist".